Aus der Praxis: Erweiterte Wunschlisten in meinem eigenen Sammler-Shop

Shopware Praxisbericht E-Commerce-Strategie

Plugins entwickeln ist das eine. Sie im eigenen Shop jeden Tag im Live-Betrieb zu haben, ist etwas anderes. Neben momocode betreibe ich mit sammelgeist.de einen eigenen Shopware-Shop für Sammler – und dort läuft seit Anfang August 2026 mein Plugin Erweiterte Wunschlisten.

Vorweg, damit die Erwartungen stimmen: Das hier ist keine Case Study mit beeindruckenden Conversion-Zahlen. sammelgeist.de ist ein kleiner Shop, und das Plugin ist erst seit wenigen Monaten aktiv. Belastbare Statistiken kann ich dir deshalb noch nicht liefern – und ich will auch keine erfinden. Was ich dir zeigen kann: warum Wunschlisten gerade in einem Sammler-Shop sinnvoll sind, wie ich das Plugin konfiguriert habe und was sich durch den eigenen Einsatz am Plugin verbessert hat.

Der Shop: Sticker, Trading Cards und Sportkarten

Auf sammelgeist.de verkaufe ich drei Produktbereiche:

  • Sticker – zum Beispiel zur EM 2024 und zur WM 2026
  • TCG-Produkte – etwa Magic, Lorcana und Pokémon
  • Sportkarten – Einzelkarten und ungeöffnete Produkte der aktuellen Sets

Meine typischen Kunden sind Sammler, die gezielt ihre letzten fehlenden Sticker oder Karten bestellen, um ihre Sammlung zu vervollständigen. Wer nur noch zwölf Sticker für sein Album braucht, stöbert nicht – er weiß ganz genau, was er sucht.

Warum Wunschlisten in einem Sammler-Shop Sinn ergeben

Sammler kaufen anders als der Durchschnittskunde:

  • Sammlungen statt Einzelkäufe: Wer eine Serie vervollständigen will, plant über Wochen oder Monate – und braucht einen Ort, an dem er die fehlenden Teile festhält. Eine Wunschliste ist im Grunde eine digitale Fehlliste.
  • Lange Entscheidungsphasen: Gerade bei höherpreisigen Einzelkarten wird selten spontan gekauft. Man beobachtet, vergleicht, wartet.
  • Preisbewusstsein: Viele Sammler haben einen Zielpreis im Kopf und schlagen erst zu, wenn er erreicht ist.
  • Geschenke: Wer selbst nicht sammelt, weiß selten, welcher Sticker oder welche Karte noch fehlt. Eine geteilte Wunschliste löst genau das.

Shopwares native Merkliste deckt davon wenig ab: eine einzige Liste, kein Teilen, keine Preisbenachrichtigung. Für einen Shop, dessen Kunden in Sets und Serien denken, ist das zu wenig.

Mein Setup auf sammelgeist.de

Herz-Icon und Wunschlisten-Auswahl auf einer Produktseite von sammelgeist.de

Begriff und Symbol: „Wunschliste“ mit Herz

Im Plugin lässt sich festlegen, unter welchem Begriff und mit welchem Symbol die Funktion in der Storefront erscheint. Ich habe mich für die Vorlage „Wunschliste“ mit Herz-Symbol entschieden. Das Herz ist für die meisten Kunden sofort verständlich und fügt sich unauffällig in die Produktkacheln ein.

Mehrere Listen pro Kunde

Kunden können beliebig viele Wunschlisten anlegen und benennen. Für Sammler bietet sich das besonders an: eine Liste pro Album, eine für die Karten, die zum Deck noch fehlen, eine für die Wunschkarten aus dem nächsten Set. So bleibt jede Sammlung übersichtlich, statt dass alles auf einem großen Haufen landet.

Wunschlisten-Detailseite im Kundenkonto von sammelgeist.de

Nicht jeder Sammler legt beim ersten Besuch gleich ein Kundenkonto an. Deshalb ist bei mir die Gast-Wunschliste aktiv: Auch ohne Login lassen sich Produkte merken. Die Einwilligung dafür läuft über das Standard-Cookie-Banner von Shopware. Sobald sich der Kunde später einloggt, werden die gemerkten Artikel automatisch in sein Konto übernommen.

Teilen von Wunschlisten

Das Teilen ist aktiviert. Öffentliche Listen bekommen einen eigenen Link, der sich per WhatsApp oder E-Mail verschicken lässt. Typischer Anwendungsfall: Die Liste mit den fehlenden Stickern geht an Familie oder Freunde, die noch ein Geschenk suchen – und die müssen dann nicht mehr raten, welche Nummern im Album noch leer sind.

Preisbenachrichtigung ab 5 %

Sinkt der Preis eines Produkts auf einer Wunschliste, bekommt der Kunde automatisch eine E-Mail. Ob er das möchte, entscheidet er selbst pro Liste über einen Schalter auf der Wunschlisten-Seite. Versendet wird die Mail über einen Flow im Shopware Flow Builder. Die Mindestschwelle habe ich auf 5 % gesetzt. Darunter wäre die Mail eher Rauschen als echter Mehrwert, deutlich darüber würden relevante Preisänderungen untergehen. Gerade bei Einzelkarten, deren Preise sich mit dem Markt bewegen, ist das eine sinnvolle Größe.

Preisbenachrichtigung im Flow Builder

Noch nicht im Einsatz: Shop-Empfehlungen

Kuratierte globale Wunschlisten – also Listen, die ich als Händler anlege und allen Kunden als Empfehlung anzeige – nutze ich bisher nicht. Denkbar wäre das zum Beispiel zum Release eines neuen Sets, aber das steht noch auf meiner Liste.

Was sich durch den eigenen Einsatz verbessert hat

Der größte Vorteil, ein Plugin selbst zu nutzen: Man stolpert über Dinge, die in keiner Testumgebung auffallen.

Bei mir war das die Integration in Consent-Tools. Ursprünglich hatte ich auf sammelgeist.de ein Consent-Tool eines Drittanbieters im Einsatz. Der Cookie für die Gast-Wunschliste ließ sich dort nicht sauber einbinden – die Einwilligung des Kunden kam beim Plugin also nicht zuverlässig an. Für einen Shopbetreiber ist das ärgerlich: Entweder funktioniert die Gast-Wunschliste nicht, oder man bastelt eine eigene Anbindung.

Daraufhin habe ich die Integration im Plugin vereinfacht, sodass sich die Gast-Wunschliste jetzt deutlich leichter an externe Consent-Tools anbinden lässt. Wie das im Detail funktioniert, ist in der Dokumentation zur Einwilligung beschrieben. Mein eigener Shop nutzt inzwischen zwar das Shopware-Cookie-Banner, aber alle, die auf ein externes Tool setzen, profitieren von der Änderung.

Ehrlicher Zwischenstand

Wie eingangs gesagt: Bisher wird die Wunschliste in meinem Shop noch wenig genutzt. Das liegt weniger am Plugin als an der Größe des Shops und der kurzen Laufzeit – Wunschlisten entfalten ihren Wert vor allem dort, wo viele wiederkehrende Kunden einkaufen.

Was ich aber sagen kann: Das Plugin läuft seit August stabil im Live-Betrieb. Ich binde es ganz regulär über das Composer-Repository von Shopware ein. Jede neue Version installiere ich direkt nach dem Upload in den Shopware Store in meinem Shop und teste die Änderungen dort im Live-Betrieb. Fällt dabei etwas auf, bekomme ich es als Erster mit.

Fazit

Wunschlisten sind kein Feature, das von heute auf morgen den Umsatz verdoppelt. In Nischen mit langen Kaufentscheidungen und klaren Fehllisten – wie bei Stickern und Sammelkarten – sind sie aber ein Werkzeug, das Kunden einen guten Grund gibt, wiederzukommen. Wenn du tiefer einsteigen willst, wie sich Wunschlisten-Daten für mehr Conversion nutzen lassen, findest du dazu einen ausführlichen Beitrag hier im Blog: Von der Merkliste zur Kaufentscheidung.

Und wenn du das Plugin selbst ausprobieren möchtest: Erweiterte Wunschlisten gibt es im Shopware Store – entwickelt von jemandem, der es selbst im eigenen Shop einsetzt.

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